Archiv der Kategorie: Partituranalyse

In dieser Kategorie werden ausschnitte von Partituren
im Bezug auf die Instrumentation detailiert Betrachtet.

Betrachtung der rhythmischen Vielfalt aufgrund von „Hit the lights“

Einleitung zur rhythmischen Vielfalt von James Hetfield

Die Rhythmik von James Hetfield, dem genialen Rhythmus-Gitarristen von Metallica, ist vielfältig und raffiniert. Sie ist nicht so schlicht, wie etwa die Rhythmik von Tony Iommi oder Malcom Young. Ruft aber auch nicht den Eindruck von abgrundtiefer Komplexität hervor. Irgendeine Gesetzmäßigkeit muss ihr also zugrunde liegen.

Wie diese beschaffen sein könnte, lässt sich häufig beim ersten Hören nicht erkennen. Bei der von James Hetfield findet man jedoch zumindest Anhaltspunkte zur Lösung dieses Problems. Dazu ist allerdings eine Vorüberlegung erforderlich.

Die Rhythmik, als Kernaussage des Werkes bei James Hetfield

Schon in den Anfangsjahre, der Rockmusik war die Rhythmik essenzieller Bestandteil der gemeinsamen Tonsprache von Gitarristen. Bis auf wenige Stellen hatte sie mit der individuellen Gestalt eines Werkes kaum etwas zu tun. Deshalb läßt sie sich auch leicht als System darstellen.

Dies gilt für James Hetfield nicht. Bei ihm ist die Rhythmik wesentliches Merkmal seiner individuellen Kompositionsweise. Sie wandelt sich nahezu von Stück zu Stück und läßt sich darum auch kaum systematisch darstellen. Ähnliches gilt auch schon für Malcom Young. Hier redet man von AC/DC-like bzw. Rhythmik. Von einer KISS-Rhythmik zu sprechen, wäre unsinnig.

Deshalb kann im folgenden auch nur ein rhythmisches Prinzip unter vielen möglichen erörtert werden. Besonders interessant ist bei James Hetfield synkopierte wiederholende rhythmische Figuren (im folgenden Beispiel in Oktaven) und in Kombination von gerade und ungerade Taktarten. An seiner Verwendung läßt sich auch gut zeigen, in welcher Weise James Hetfield rhythmische Prinzipien der Tradition aufgreift und weiterentwickelt.

Einleitung zur Komposition „Hit the lights“ von James Hetfield

Dazu ist das Stück „Hit the lights“ aus dem Album Kill ’em all von 1983 besonders geeignet. Weil die zentrale Rolle der rhythmischen Figur im Mittelteil des Stückes am deutlichsten zu erkennen ist.

Notenbild zu „Hit the lights“
Gitarren-Part von James Hetfield

2:34 Es folgt die Abbildung mit dem Notenbeispiel zu „Hit the lights“. Das Notenbeispiel beginnt bei 2 Minuten und 34 Sekunden.

Notenbild zum Gitarren-Part von James Hetfield in 'Hit the lights'

Tondatei zum Notenbeispiel
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Analyse der Komposition „Hit the lights“ von James Hetfield

Die Takte 1-3 und Takt 4 unterscheiden sich motivisch und rhythmisch, während sie sich in Dynamik und Instrumentation genau entsprechen. Wie man deutlich erkennt, ist das harmonische Material des Abschnitts ziemlich begrenzt.

Zusammengehalten wird dieser Abschnitt durch die synkopierten Oktaven (Takt 1-3) und besonders durch die melodische Linie im Takt 4. Insgesamt wird sie als Steigerung und Bindeglied verwendet.

Diese Kompositionsweise ist nun offensichtlich der Grund für die rhythmische „Buntheit“ der Stelle, aber auch für Ihre Geordnetheit. Bunt wirkt Sie, weil die ungerade Taktart (hier 7/8) nicht mehr als Funktionsrhythmisch empfunden wird. Die ungerade Taktart wirkt eben nicht Vertraut. Der Eindruck des Geordneten dagegen entsteht durch das deutlich hörbare harmonische Band der synkopierte Oktave.

Schlussfolgerung zur rhythmischen Vielfalt von James Hetfield

Es ist die erste Stelle im Schaffenswerk von James Hetfield in welcher seine Genialität als Rhythmus-Gitarrist hörbar wird. Und obwohl sie dir den Puls verwirrt findet man sie trotzdem spannend. Eben Genial.

Zusammenfassend kann gesagt werden dass James Hetfield bei seiner musikalischen Revolution wesentliche Elemente der Tradition aufgreifen konnte und für sie eine neuartige Verwendung fand.

Am Beispiel von Metallica’s ‚The shortest straw‘ vom Album And justice for all

Einleitung zum perkussiven einsatz der Gitarre

Jedes Instrument, wie auch die Gitarre, hat seine technische Merkmale. Dadurch sind bestimmte Aufgaben für das Instrument geeignet und andere wiederum nicht. Vieles von dem, was uns als „Eigenart“ erscheint, entspricht in Wirklichkeit der üblichen Behandlung des Instruments.

Zudem ist ein Instrument historischen Abwandlungen ausgesetzt. Infolgedessen kann es seine Rolle wechseln. Weil technische Änderungen vorgenommen werden können. Aber auch weil die spieltechnischen Fertigkeiten der Spieler nicht gleich bleiben.

Demnach kann der Rollenwechsel das Ergebnis eines historischen Prozesses sein. Oder aufgrund einer kompositorischen Absicht. Doch erst die Kenntnis der „Eigenart“ eines Instruments macht die Feststellung eines Rollenwechsels möglich. Dieser Als-ob-Einsatz eines Instruments (hier die E-Gitarre) bezeichnen wir als „Substitution“ (Ersatz).

Definition des Begriffs „Perkussiv“

Bei unserem Beispiel von „The shortest straw“ handelt sich um die Substitution der Funktion. Der „perkussive“ Einsatz erfolgt hier im übertragenen Sinne. Denn „Perkussiv“ im eigentlichen Sinne bedeutet dass auf dem Instrument geschlagen wird.

Notenbild zu „The shortest straw“
mit dem Part für die Gitarre

0:16 Es folgt die Abbildung mit dem Notenbeispiel zu „The shortest straw“. Das Notenbeispiel beginnt bei 16 sek.

Notenbild zum Gitarren-Part von James Hetfield in 'The shortest straw'

Tondatei zum Notenbeispiel
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Die Merkmale vom perkussiven einsatz der Gitarre

Die Gitarre wird in diesem Beispiel zwar nicht „geschlagen“, aber die rhythmische Figur erinnert an charakteristische Schlagzeugfiguren. Ohne jeden Zweifel gibt es dafür Gründe, das man an typische Schlagzeugfiguren denkt. Zum einen liegt es an den Tonwiederholungen und zum anderen an dem Rhythmus, mit dem die Figur ausgeführt wird.

Die Repetition (Wiederholung) als Reduktion (Verringerung) der Tonhöhen auf eine einzige je Instrument trägt zur Nachahmung des Schlaginstruments bei. Dadurch wird die Melodiefähigkeit des Instruments erheblich eingeschränkt. Und somit nähert sich die Gitarre der melodischen Beschränkung vom Schlagzeug an.

Beachtenswert sind auch die Powerchords. Dadurch wird die rhythmische Figur insgesamt „Aufgelockert“, die Tonrepetitionen sind besser wahrnehmbar und zudem auch besser Spielbar.

Schlußsatz zum perkussiven einsatz der Gitarre

Auch wenn die angestrebte Nachahmung nicht immer erreicht werden kann, bedingt durch die zu große Unterschiedlichkeit der Instrumente, wird doch ein drittes imaginäres Instrument geschaffen. Wodurch unsere Musik spannend gestaltet wird. Und zudem macht die Weiterentwicklung in verschiedenen Richtungen möglich.