Monats-Archiv: Juni 2015

Ausinstrumentierte Dynamik von Richard Wagner bis zum „symphonischen Heavy Metal“

Einleitung zur ausinstrumentierten Dynamik

Der Begriff Dynamik in der Musik bezeichnet die unterschiedliche Lautheitsgrade, wie sie in den Grundwerten forte und piano und ihren Steigerungen dargestellt werden. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Grade — crescendo und decrescrendo — und die Akzentuierung (sf), betrifft es auch.

Doch gibt es einen feinen Unterschied zwischen der Lautheit und der Lautstärke. Ein Beispiel: ein zwei­gestrichenes »c« (bei gleicher Lautheit) ist von unterschiedlicher Lautstärke. Je nachdem ob etwa Celli, Klarinetten oder Harfen es spielen. Natürlich sind beide Phänomene eng miteinander Verknüpft. Aus­instrumentierte Crescendi als Beispiel, sind sowohl Crescendi der Lautstärke als auch der Lautheit. Dem zu folge ist der Zusammenhang zwischen der Instrumentation und der Dynamik nachvollziehbar und von größter Wichtigkeit.

Ausinstrumentierte Dynamik im Rahmen vom „symphonischen Heavy Metal“

Ist von essenzieller Wichtigkeit. Das Fundament unserer Musik bilden Rhythmik und Dynamik. Doch die Musik die unmittelbar auf das vegetative Nervensystem einwirkt, wollen wir nicht. In unserer Musik werden nicht nur indifferente Klanggebilde durch die Dynamik überformt. Die Dynamik kann auch als struktur­verstärkendes Element erscheinen. Sie kann den Ausdruck melodischer, harmonischer und rhythmischer Verläufe Unterstützen. Zudem kann sie den formalen Aufbau ver­deutlichen.

Ausinstrumentierte Dynamik ist bereits in der Komposition angelegt. Bedingt dadurch werden alle Voraus­setzungen für eine angemessene Aufführung geschaffen. Das heißt, dass die Qualität des Orchesters und seine einzelne Musiker von sekundärer Wichtigkeit sind.

Ausinstrumentierte Dynamik bei Richard Wagner

Eines der besten Beispiele dazu finden wir im Schaffenswerk von Richard Wagner. Schauen wir uns den betreffenden Partiturausschnitt an. Im ersten Takt des Vorspiels zur Götterdämmerung wird ein forte verwirklicht durch 3 Oboen, 3 Klarinetten, 2 Hörner und 1 Bass-Trompete.

Im 2 Takt des gleichen Beispiels wird ein piano verwirklicht. Und zwar durch 3 Große Flöten, 1 Englisches Horn, 2 Fagotte, 2 Tenor-Tuben, 2 Bass-Tuben, 1 Kontrabasstuba und 12 Violoncelli. Die Auf­listung der teil­nehmenden Instrumenten macht deutlich, dass 2 unterschiedliche In­stru­mentengruppen für die Umsetzung der forte > piano - Akkorde verantwortlich sind.
Zur Partitur- und Tondatei des Beispiels „Ausinstrumentierte Dynamik“

Die grafische Darstellung der Amplitude (Spreizung der Schwingung)

Es folgt die Abbildung mit der grafischen Darstellung der Amplitude. Damit ist die Spreizung der Schwingung gemeint.

Grafische Darstellung der Amplitude im Bezug auf die Dynamik
Sie macht den bruchlosen Übergang zwischen dem forte und dem piano sichtbar. Denn die eine Instrumentengruppe ist mit der Realisierung des forte betraut worden und die andere Instrumenten­gruppe mit dem piano. Die Instrumentation erfüllt hier die Aufgabe, mögliche Schwächen der Aufführung vor­zubeugen. Zudem beeinflußt die ausinstrumentierte Dynamik die Klangwirkung der Akkorde.

Am Beispiel von Metallica’s ‚The shortest straw‘ vom Album And justice for all

Einleitung zum perkussiven einsatz der Gitarre

Jedes Instrument, wie auch die Gitarre, hat seine technische Merkmale. Dadurch sind bestimmte Aufgaben für das Instrument geeignet und andere wiederum nicht. Vieles von dem, was uns als „Eigenart“ erscheint, entspricht in Wirklichkeit der üblichen Behandlung des Instruments.

Zudem ist ein Instrument historischen Abwandlungen ausgesetzt. Infolgedessen kann es seine Rolle wechseln. Weil technische Änderungen vorgenommen werden können. Aber auch weil die spieltechnischen Fertigkeiten der Spieler nicht gleich bleiben.

Demnach kann der Rollenwechsel das Ergebnis eines historischen Prozesses sein. Oder aufgrund einer kompositorischen Absicht. Doch erst die Kenntnis der „Eigenart“ eines Instruments macht die Feststellung eines Rollenwechsels möglich. Dieser Als-ob-Einsatz eines Instruments (hier die E-Gitarre) bezeichnen wir als „Substitution“ (Ersatz).

Definition des Begriffs „Perkussiv“

Bei unserem Beispiel von „The shortest straw“ handelt sich um die Substitution der Funktion. Der „perkussive“ Einsatz erfolgt hier im übertragenen Sinne. Denn „Perkussiv“ im eigentlichen Sinne bedeutet dass auf dem Instrument geschlagen wird.

Notenbild zu „The shortest straw“
mit dem Part für die Gitarre

0:16 Es folgt die Abbildung mit dem Notenbeispiel zu „The shortest straw“. Das Notenbeispiel beginnt bei 16 sek.

Notenbild zum Gitarren-Part von James Hetfield in 'The shortest straw'

Tondatei zum Notenbeispiel
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Die Merkmale vom perkussiven einsatz der Gitarre

Die Gitarre wird in diesem Beispiel zwar nicht „geschlagen“, aber die rhythmische Figur erinnert an charakteristische Schlagzeugfiguren. Ohne jeden Zweifel gibt es dafür Gründe, das man an typische Schlagzeugfiguren denkt. Zum einen liegt es an den Tonwiederholungen und zum anderen an dem Rhythmus, mit dem die Figur ausgeführt wird.

Die Repetition (Wiederholung) als Reduktion (Verringerung) der Tonhöhen auf eine einzige je Instrument trägt zur Nachahmung des Schlaginstruments bei. Dadurch wird die Melodiefähigkeit des Instruments erheblich eingeschränkt. Und somit nähert sich die Gitarre der melodischen Beschränkung vom Schlagzeug an.

Beachtenswert sind auch die Powerchords. Dadurch wird die rhythmische Figur insgesamt „Aufgelockert“, die Tonrepetitionen sind besser wahrnehmbar und zudem auch besser Spielbar.

Schlußsatz zum perkussiven einsatz der Gitarre

Auch wenn die angestrebte Nachahmung nicht immer erreicht werden kann, bedingt durch die zu große Unterschiedlichkeit der Instrumente, wird doch ein drittes imaginäres Instrument geschaffen. Wodurch unsere Musik spannend gestaltet wird. Und zudem macht die Weiterentwicklung in verschiedenen Richtungen möglich.

Die Instrumentation als „Mitgestalterin“ der Form

Einleitung zur „Instrumentation als „Mitgestalterin“ der Form“

Die Bedeutung der Instrumentation, als formschaffende Kraft ist verständlicherweise groß. Die Instrumentation kann Form schaffen oder Form mitschaffen. Die form­schaffende Kraft der Instru­mentation ist vielleicht fest­stellbar seit Richard Wagner. Das Vor­spiel zum „Rheingold“ von Richard Wagner ist der Start eines form­schaffenden Klang­denkens.

Grundlegendes zur „Instrumentation als „Mitgestalterin“ der Form“

Musikalische Form (die äußere Gestalt) hat ihr Gegenstück in der musikalischen Idee (dem inneren Gehalt) und die Instrumentation kann am Gestalten der Form maßgeblich beteiligt sein. Zudem kann sie Form auch erlebbar und nachvollziehbar machen.

Die Hauptaufgabe der Instrumentation im Bezug auf den formalen Aufbau einer Komposition besteht in der klanglichen Ausprägung ihrer Formteile. Durch die klangfarbliche Charakterisierung der Formteile. Als bespiel werden Gliederungen gebildet oder verdeutlicht. Anderseits ist es möglich durch die Instrumentation, ein Musik-Werk mit Klangfarben so zu bereichern, dass zur einer Lockerung und Auflockerung der Form führen kann.

Sie macht formschaffendes Klangdenken möglich und gewinnt bedingt dadurch als kompositorische Maßnahme eigene Bedeutung.

Ein Gliederungsprinzip, wie das der Wiederholung (2 Teile sind gleich) kann über die Instrumentation verschleiert werden. Ein Gliederungsprinzip, wie das der Variation (2 Teile sind einander ähnlich) kann sie verdeutlichen oder das des Kontrasts (2 Teile sind verschieden) Verschärfen. Die Instrumentation, als ein Mittel zur deutlichen Ausbildung des formalen Aufbau einer Komposition, sollte stets ernst genommen werden.

Form und Instrumentation im Rahmen vom „symphonischen Heavy Metal“

Die Verdeutlichung der formalen Konstruktion einer Komposition über instru­mentatorische Mittel, ist eine zusätzliche Möglichkeit, die Formgestalt der Komposition besser wahrnehmen zu können. Dabei darf nicht zwischen der äußerlichen Abwechslung und der Verdeutlichung der Form ver­wechselt werden.

Die Klangraumerweiterung, für die zukunftsträchtige Gestaltung unserer Musik.

Einleitung zur „Klangraumerweiterung“

Klangraumerweiterung bzw. die Herstellung von Klangräumen wird auch durch den Einsatz von Klangfarben (als kompositorisches Material), ermöglicht. Es geht um „vorgestellte Räume“, also um unterschiedliche klangräumliche Wirkungen, die erzielt werden. Dabei ist von größter Wichtigkeit die Aufrechterhaltung der Klangidentität.

Grundlegendes zur „Klangraumerweiterung“

Raum ist ein Bestandteil jeder Musik und die „natürliche“ Erweiterung eines Musikinstruments. Beeinflusst die Erlebniseindrücke des tatsächlichen Klangs. Aber nicht nur wegen der unterschiedlichen Aufstellung einzelner Instrumente im Raum. Sondern auch wegen ihrer unterschiedlichen akustischen Präsenz. Das heißt, einzelne Instrumente treten mehr hervor als andere. Das geschieht aufgrund ihres Klangspektrums. Hinzu kommt die akustisch bzw. musikalische Ordnung einzelner Ereignisse. Das bedeutet, vom Komponisten als wichtig angesehene Objekte werden so instrumentiert, dass sie durch die Instrumentenwahl, Lautstärke, Register usw. hervortreten sollen.

Man kann diese Möglichkeiten, um die Musik gestalten zu können, rückhaltlos anwenden, dass buchstäblich nichts mehr geht. Mit anderen Worten bedeutet dass den Verzicht auf Neues. Sie versagen sich dem menschlichen Hang nach Abwechslung. Doch Vorstellungen und Anschauungen in der Musik, sowie Mittel zur praktischen Umsetzung (Veränderung des Instrumentariums), unterliegen historischem Wandel. Und in diesem Wandel werden Ordnungen, Systeme und Abgrenzungen, von Menschen erdacht, Klangräume „erschaffen“ und durch die verwendeten Klangmitteln hörbar gemacht.

Fazit zur „Klangraumerweiterung“

Demnach ist „musikalische Identität“ die nicht parallel auf gleicher Höhe mit der Zeit „erklingt“, dazu verurteilt in der Enge des Klangraums isoliert und langfristig zerstört zu werden. Anderseits läuft die Klangraumerweiterung Gefahr eine sinnleere Hülse zu werden.

Und eben darin besteht die Herausforderung der Klangraumerweiterung: Vergrößerung des Raumes ohne dabei den Kern der Klangidentität anzutasten. Und letztendlich ist dies die wichtigste Aufgabe die wir zu lösen haben. Und diese setzt eines Voraus und zwar die Aufgeschlossenheit gegenüber dem Neuen.